5 Fakten, die Sie unbedingt wissen sollten!

Wussten Sie schon…? 

 

1. Dürfen an einen LS-Schalter mit Schraubklemme zwei Leiter angeklemmt werden?
Oft sieht man in diversen Unterverteilungen, dass bei einem LS-Schalter abgangsseitig zwei oder sogar mehrere Leiter angeklemmt sind. Immer wieder kommt deshalb die Frage auf, ob dieses Szenario normativ geregelt oder sogar erlaubt ist?Die Norm besagt: Nur ein Leiter Pro Klemmstelle (DIN VDE 0607, DIN VDE 0611)!Eine Mehrleiterklemmung ist bei Schraubklemmen nur erlaubt, wenn das der Hersteller ausdrücklich erlaubt. Bei der Mehrleiterklemmung muss dann darauf geachtet werden, dass beim Anschließen des zweiten Leiters der bereits geklemmte Leiter nicht wieder gelöst wird. Jeder Leiter muss unabhängig vom anderen Leiter kontaktiert werden (DIN VDE 0113,DIN VDE 0832).
2. Norm für Steckdosen am Waschbecken?

Immer wieder bekommt man von Kunden gesagt, dass es wohl kaum erlaubt sei, Steckdosen in der Nähe des Waschbeckens zu installieren. Sogar Elektrofachkräfte sind sich bei dieser Frage nicht immer ganz im Klaren. Deshalb stellte sich nun die Fra-ge, wie die Aussage zustande kommt und ob es normative Vorschriften gibt. Sogar von einigen Herstellern wird diese Aussage untermauert, indem Bilder mit eingezeichneten Schutzbereichen uns Elektriker verwirren. Aber was stimmt jetzt?

Normative Vorschriften: Ganz klar sind nach der DIN VDE 0100-701 die verschiedenen Schutzbereiche in einem Bad einzuhalten. Was ist jetzt aber mit dem Waschbecken? Gilt dieses als Nassbereich?

Derzeit gibt es KEINE Norm für einen zusätzlichen Schutzbereich an einem Wasch-becken/Waschtisch. So ein zusätzlicher Schutzbereich ist auch normativ nicht geplant. Das bedeutet es gibt keinen Bereich, in dem keine elektrischen Betriebsmittel errichtet werden dürfen. Es gilt jedoch die DIN VDE 0100-701 für die Schutzbereiche 0 bis 2.Habt Ihr auch schon bereits fehlerhafte Hersteller-Bilder gesehen, oder woher denkt Ihr kommt dieser Mythos? Verraten Sie es uns in unserem Forum unter voltimum.de/forum.

3. Aderendhülsen - Plficht ?

Kürzlich gab es eine interessante Theorie von unseren Ausbildern. Es ging um die Ver-wendung von Aderendhülsen bei der praktischen Abschlussprüfung. Das Verwenden von Aderendhülsen nimmt unheimlich viel Zeit in Anspruch und ist eigentlich eine lästi-ge Aufgabe während der Praxisprüfung. Deshalb wäre es interessant zu wissen, ob es eine Forderung gibt, die den Einsatz von Aderendhülsen normativ vorschreibt.

Überraschung: Es gibt laut Norm keine Pflicht, Aderendhülsen zu verwenden. Das heißt, man könnte viel Zeit sparen, da die Verwendung von Aderendhülsen normativ nicht vorgeschrieben ist. Schaut man sich die DIN EN 60999-1 (VDE 0609-1:2000-12) an. Dieser Norm unterliegen alle Schraub- und schraublosen Klemmverbindungen und sie legt fest, dass Verbindungen herstellerseitig so ausgelegt sein müssen, dass alle unvorbereiteten Leiterarten angeschlossen werden können. Das heißt es wäre sogar herstellerbedingt, ob eine Aderendhülse zu verwenden ist.

4. Einpoliger (Schraubendreher) Spannungsprüfer nicht erlaubt?

Häufig sieht man Elektriker mit dem umgangssprachlich „Lügenstift“ genannten Werk-zeug hantieren. Dieses Werkzeug wird dann sogar noch oft als Schraubendreher und eben als Spannungsprüfer verwendet. Gibt es Normen, die den Einsatz dieses Werk-zeugs verbieten oder den Einsatz eines anderen Spannungsprüfers verpflichtend vor-schreiben?
Der „Lügenstift“ – als Schraubendreher: Fakt ist, dass der Spannungsprüfer in Form eines Schraubendrehers definitiv nicht als Werkzeug zum Festdrehen von Schrauben vorgesehen ist. Er ist lediglich ein einpoliger Spannungsprüfer. Das ist auch aus den jeweiligen Herstelleranleitungen zu entnehmen.

Ist der Gebrauch normativ vorgeschrieben? Die Spannungsfreiheit wird nach der DIN VDE 0105-100 festgestellt. Die DIN EN 61243-3 (VDE 0682-401) beschreibt die Anforderungen von zweipoligen Spannungsprüfern:Zum Beispiel muss der Spannungsprüfer aus zwei Teilen bestehen, die mit einer Lei-tung fest miteinander verbunden sind.

Für den einpoligen Spannungsprüfer greift die DIN VDE 0680-6.Vorab ist anzumerken, dass dieser generell eher nicht für die Überprüfung der Span-nungsfreiheit geeignet ist. Jedoch ist sogar auf den einpoligen Spannungsprüfern das VDE-Zeichen und somit sind diese vom VDE anerkannt. Ein Blick in die DIN VDE 0105-100 zeigt die Verwendung von Spannungsprüfern nach DIN EN 61243-3 (VDE 0682-401) mit Nennung ihrer Herstellernorm. Demnach wären dann einpolige Spannungsprüfer nicht geeignet.

5. TT- und TN-Netz?

Warum gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen den Abschaltzeiten im TT und im TN-Netz?Falls diese Frage aufkommt, kann man als erstes eine sehr einfache Lösung nennen: Die Gefahr im TT-Netz ist größer als die im TN-Netz, deshalb gibt es kürzere Abschalt-zeit im TT-Netz als im TN-Netz.

Diese Gefahr entsteht bei einem Fehlerfall. Bei einem Fehler ist die Berührungsspan-nung im TT-Netz deutlich höher als im TN-Netz. Im TN-Netz beträgt die Berührungs-spannung etwa die Hälfte der Nennspannung gegen Erde. Der Mensch kann maximal die Spannung überbrücken, die auf dem Schutzleiter beim Kurzschluss abfällt. Man kann davon ausgehen, dass die Impedanz des Schutzleiters und des Außenleiters (glei-cher Querschnitt) gleich ist. Demnach könnte der Mensch die Spannung von ca. 115 V überbrücken.

Das sieht im TT-Netz anders aus. Im TT-System sind die Verhältnisse anders. Hier kann man davon ausgehen, dass die Impedanz des Anlagen-und Betriebserders höher ist als die des Außenleiters. Bei einem Fehler kommt es nun zu einem geringeren Span-nungsfall auf den Außenleitern. Demnach kann am Körper des fehlerhaften elektrischen Betriebsmittels eine Spannung überbrückt werden, die fast immer über 200 V liegt.

Quelle und Bildquelle: www.voltimum.de