Normgerechte LWL-Kabel­installation in Gebäuden

Bild 1: Radiusbegrenzung durch Formteile

Die Normenreihe DIN EN50174 (VDE 0800-174) enthält Vorgaben für Planung, ­Errichtung und Betrieb von Kommunikationskabelanlagen. In diesem Beitrag sollen hauptsächlich Vorgaben für die Installation einer Lichtwellenleiterverkabelung in ­Gebäuden betrachtet werden.
Bei der Errichtung von elektrischen und informationstechnischen Anlagen sind die allgemein an­erkannten Regeln der Technik (a. a. R. T.) in der zum Zeitpunkt der Errichtung geltenden Version anzuwenden. In bestehenden Anlagen gilt dies für den neu zu errichteten Teil. Die Einhaltung der a. a. R. T. wird vermutet, wenn bei Elektro- und Informationstechnischen Anlagen die VDE-Bestimmungen eingehalten werden.

Inhalte der Norm

Im Teil 1 der VDE 0800-174 werden Anforderungen an die Spezifikation der Installation als Vorgabe für den Installateur beschrieben. Weiter werden die Dokumentation und Verfahren zur Qualitätssicherung während der Ausführungsphase und während des Betriebes der Kommunikationskabelanlage behandelt. Dazu gehören auch die Spezifikation von Umfang und Format der Dokumentation, Etikettierung sowie Anforderungen an Inspektion und Abnahmeprüfungen.

Erweiterung der Anlage

Die Installationsspezifikation sollte zukünftige Erweiterungen der Kommunikationskabelanlage zulassen. Für eine LWL-Verkabelung betrifft dies:

  • Kabelwege und Kabelwegsysteme
  • Verteilerschränke, Rahmen und Gestelle
  • Anschlusspunkte
  • Stromversorgungssysteme.

Installationsplanung und Installationspraktiken

Teil 2 der VDE 0800-174 geht auf die Installationsplanung und Installationspraktiken innerhalb von Gebäuden in Übereinstimmung mit den Anforderungen der Spezifikation ein. Dabei werden betrachtet:

  • Sicherheit für das Personal
  • Lagerung der Verkabelungskomponenten
  • Verlegung von Kommunikationskabeln (LWL und Kupfer)
  • Trennabstände zwischen metallener informationstechnischer Verkabelung und Stromversorgungsleitungen sowie
  • Stromversorgungseinrichtungen
  • Einführung von Außenkabeln in ein Gebäude
  • Informative Hinweise zur EMV-Verträglichkeit
  • Verweise bezüglich elektrischer Sicherheit auf die Normenreihe VDE 0100
  • Verweise bezüglich Potentialausgleich auf DIN EN 50310 (VDE 0800-2-310)
  • Verweise bezüglich Blitzschutzsystem auf DIN EN 62305-4 (VDE 0185-305-4)

Die Betrachtungen erfolgen für:

  • Bürobereiche
  • Industriell genutzte Bereiche
  • Wohnungen
  • Mietshäuser/Mehrfamilienhäuser
  • Rechenzentren.

Die Verlegung von LWL-Kabeln hat unter Berücksichtigung der zugelassenen maximalen Zugkräfte, des Verlege-Temperaturbereichs und der einzuhaltenden minimalen Biegeradien zu erfolgen. Die Befestigung von LWL-Kabeln mit Kabelschellen muss ohne Einschnürung des Kabels und ohne Überschreitung der zulässigen lokalen Querdruck­belastung durchgeführt werden. Die Kabelinstallation muss in Übereinstimmung mit dem Installationsplan erfolgen.

Kabelwegsysteme

Für die Installation von Kommunikationskabeln innerhalb von Gebäuden werden verschiedene Kabelwegsysteme angeboten:

  • Kabelrinnen mit durchgehender Auflagefläche
  • Gitterrinnen
  • Kabelleitern
  • Elektro-Installationsrohrsysteme
  • Elektro-Installationskanalsysteme
  • Mikrorohrsysteme in Gebäuden.
Bild 2: Gelbes ­Trassensystem für die Führung von LWL-Patchkabeln.

Kabelwegsysteme müssen einen Schutz für die Verkabelung darstellen. Neben Festlegungen zur Tragfähigkeit muss sichergestellt sein, dass Kabel installiert werden können. Die Einhaltung der minimalen Biegeradien geschieht mit Hilfe von vorgefertigten Formteilen wie Bögen, Abzweigstücken, Auslässen und Radiusbegrenzern (Bild 1).

Nach DIN EN 50174-2 »muss der kleinste Biegeradius für LWL-Installationskabel 50mm betragen oder das 10-Fache des Kabeldurchmessers, je nachdem, welcher Wert größer ist.« Bild 2 zeigt ein gelbes Trassensystem für LWL-Patchkabel bei dem die minimal zulässigen Biegeradien durch die Verwendung von Formteilen nicht unterschritten werden können. An Abbiegungen der Kabeltrassen sowie bei Einlauf der Kabel in die Trassenanlage werden Umlenkelemente so angeordnet, dass der kleinstzulässige Biegeradius für LWL-Kabel nicht unterschritten wird.

Füllgrad

Bild 3: Befestigung von Kabeln an einer Kabelleiter

Der Füllgrad der Kabelwegsysteme ist so zu wählen, dass noch Reserven für Nachinstallationen vorhanden sind. In der Anfangsphase der Planung sollten Kabelwegsysteme als voll angesehen werden, wenn die Querschnittsfläche der Kabel 40 % der Querschnittsfläche des Kabelweg­systems beträgt. Bei der weiteren Planung sollten 50 % nicht überschritten werden. Kabel werden nicht über die Höhe der Seitenwände hinaus installiert.

Trennabstände, wie sie zwischen Kupferdatenkabeln und Stromversorgungsleitungen zur Vermeidung von Störungen durch elektromagnetische Felder einzuhalten sind, sind bei der Verlegung von LWL-Kabeln nicht zu berücksichtigen. Manchmal kann jedoch die getrennte Verlegung auch für LWL-Kabel empfehlenswert sein. So wird in der Norm z. B. für die Verkabelung in Rechenzentren die Trennung unterschiedlicher Verkabelungsmedien (Kupfer und LWL) zur Verbesserung der Systemverwaltung und Betriebsfunktion empfohlen. Das gelbe LWL-Trassensystem in Bild 2 wurde daher in einem Verteilerraum neben dem metallischen Trassensystem mit durchgehender Auflagefläche für Kupfer-TP-Datenkabel installiert.

Bild 4: Getrennte Führung von LWL-Kabeln und Stromversorgungsleitungen in einer Industrieumgebung – die LWL-Kabel ragen über den Rand der Kabeltrasse hinaus, die Kabelinstallation ist mangelhaft

Kabelbündel dürfen nicht mehr als 24 Kabel enthalten. An der Kabelleiter in Bild 3 verlaufen die Stromversorgungsleitungen auf der linken Seite im Bündel 1. Die Installation der Bündel 2 bis 7 mit Kupfer-Kommunikationskabeln wurde von der rechten Seite begonnen. Bündel 7 wurde im Rahmen einer Nachinstallation später eingebaut und enthält sowohl Kupfer-TP-Datenkabel als auch ein LWL-Kabel. Der erforderliche Trennabstand von den Kupfer-Datenkabeln zu den Stromversorgungsleitungen ist hier eingehalten. Durch die Verwendung von Bügelschellen mit Unterteil und Oberteil wird der Druck auf die Kabel großflächig verteilt und eine Verformung der Kabel vermieden.

Auch in Industrieumgebungen kann es empfehlenswert sein, getrennte Kabelwegsysteme für die dünnen LWL-Kabel und die meist wesentlich dickeren Stromversorgungsleitungen zu installieren. In Bild 4 verläuft die zusätzlich installierte LWL-Trasse mit durchgängiger Auflage für die LWL-Kabel auf der Kabelleiter neben den Stromversorgungsleitungen. Die LWL-Kabel wurden über den Rand der Trasse hinaus installiert. Die Trasse mit den Stromversorgungsleitungen ist ebenfalls völlig überfüllt.

Brandschutz

Nach Abschluss der Kabelinstallation ist darauf zu achten, dass die Wiederherstellung der Brandschutzklasse von Brandschottungen nach den örtlichen Bestimmungen und unter Anwendung der festgelegten Brandschutzwerkstoffe und/oder Brandschutzmethoden erfolgt. Im nächsten Beitrag geht es um die normgerechte Verbindung von LWL-Kabeln in Gebäuden.

Autor

Werner Stelter, LWL-Seminare am BFE-Oldenburg

 

Quelle und Bildquelle: www.elektro.net