Weniger Smart Home ist oft mehr

Bild1: Zwei mögliche Einstiegspunkte in das Smart Home: Türkommu­nikation (Weiterleitung des Türrufs aufs Smartphone) oder smarte ­Thermostate

Unter dem Begriff »Smart Home« versteht jeder etwas anderes – das gilt sowohl für Hersteller und Handwerk als auch für den Kunden. Um eher skeptische Kunden von einem Smart Home zu überzeugen, bietet sich ein niederschwelliger Einstieg mit einfachen Lösungen an. Dies ist auf verschiedene Weise möglich – wichtig ist nur, darauf zu achten, dass eine spätere Funktionserweiterung einfach möglich ist.

Im Rahmen der E-Fachschulung Rostock hatte Dipl.-Ing. Dipl-Kfm. Detlef Luyke, Schulungsleiter bei einem Hersteller, in einem Webinar seine Sicht auf den Smart-Home-Markt dargelegt. Wir hakten in einem Online-Interview nach.

 

»de«: Herr Luyke, wie würden Sie den Begriff Smart Home definieren?

D. Luyke: Diese Frage lässt sich nicht mit einem Satz beantworten, und je nachdem, wen Sie fragen, fällt die Antwort oft sehr unterschiedlich aus. Meine Definition: Smart Home steht für das intelligente Haus – oder eine Wohnung. Die »smarten Teilnehmer« der elektrischen Anlage haben eine Verbindung zum Router und sind für bestimmte Aufgaben »programmierbar«. Die Intelligenz und Funktionalität liegt in der Software, nicht in einer fest verdrahteten Hardware.

»de«: Wie definieren Sie darauf aufbauend ein Smart-Home-System?

D. Luyke: Es gibt im Grunde genommen keine Standard-Definition für ein Smart-Home-System.

Ein Smart-Home-System besteht aus smarten Produkten, die im Idealfall untereinander kommunizieren und Daten austauschen, und somit wesentlich zur »Intelligenz« des Smart Home beitragen. Es gibt viele Systeme am Markt, die sich vor allem dahingehend unterscheiden, welche Möglichkeiten sie dem Nutzer bieten. Aus meiner Sicht kristallisieren sich dabei vier Typen heraus:

  • Reine Insellösungen, die nicht erweiterbar sind, etwa eine Bluetooth-gesteuerte Lampe,
  • Einstiegs- bzw. Einzellösungen, die aufgrund ihrer Schnittstellen erweiterbar sind,
  • das Smart Home mit dem nahtlosen Zusammenspiel seiner Komponenten für verschiedene Anwendungen sowie
  • das Smart Home mit einem klassischen Bussystem.
Bild 2: Detlef Luyke: »Ein echtes Smart Home hat eine Verbindung zum Internet«

Spannend für den »normalen« Elek­trohandwerksbetrieb sind vor allem die beiden mittleren Segmente: Hier kann man mit einfach zu installierenden und parametrierenden Lösungen beginnen, die nach oben erweiterbar sind, und sich so schrittweise mit dem Smart-Home-Markt vertraut machen. In einer Endausbaustufe umfasst ein Smart Home die Teilfunktionen Hausautomation (Licht/Rollladen/Heizung), Energiemanagement/Smart Metering, Sicherheit (Alarmanlage, Videotürsprechanlage), Haushaltsgeräte sowie die vernetzte Unterhaltungselektronik. Die Teilfunktionen interagieren über den Router im Wohnhaus.

»de«: Ist ein Haus schon ein Smart Home, wenn man eine LED-Lampe mit dem Smartphone z. B. über Bluetooth steuert?

D. Luyke: Ab wann ein Haus smart ist, darüber lässt sich mit dem Kunden streiten. Und das sollte man natürlich nicht tun. Smart Home ist nicht gleich Smart Home, und das sollte man dem Kunden erklären. Je mehr Möglichkeiten ein Smart Home bietet, desto höher wird die Komplexität, und desto schwieriger lässt sich die heute vom Kunden gewünschte Einfachheit darstellen. Klassifizieren wir die Smart-Home-Systeme nach bestimmten Kriterien, kann ich mich im Marktangebot besser orientieren und fair vergleichen, nicht zuletzt auch den Preis.

»de«: Welche Unterscheidungsmerkmale bzgl. der einzelnen Smart-Home-System-Varianten können Sie anlegen?

D. Luyke: Aus meiner Sicht gibt es hier – technisch gesehen – die drei Kriterien ­Übertragungsmethoden, Konnektivität und Interoperabilität. Lassen Sie uns die Unterscheidungsmerkmale etwas näher betrachten.

  • Die heutigen Smart Home Systeme funk­tionieren im Wesentlichen mit zwei Übertragungsmethoden: Einerseits die Funktechnologie, andererseits mit einem eigenen verkabelten Kommunikationsnetzwerk, z. B. einer Zweidrahtleitung. Jede Methode hat spezifische Vor- und Nachteile in der Anwendung. Gerade die einfache, smarte Funktechnologie ist hauptverantwortlich für die Dynamik im Smart-Home-Markt.
  • Die Konnektivität beschreibt die Fähigkeit eines Gerätes bzw. Systems, sich zu vernetzen. Das Gerät kann sich mit einem Router verbinden und folglich mit dem Internet – Konnektivität bedeutet also nichts anders als »Internetverbindungsfähigkeit«. Die Verbindung ins Internet bietet diverse Vorteile, u. a. die Steuerbarkeit von außen per Smartphone und die Möglichkeit, Updates in die vernetzten Geräte einspielen zu können.
  • Die Interoperabilität schließlich bezeichnet die Fähigkeit, Nutzdaten von einem zum anderen Gerät bzw. System zu übertragen und zu verarbeiten, auch über das Internet. Bestenfalls besteht diese Interoperabilität nicht nur innerhalb der Hersteller-eigenen smarten Geräte, sondern auch zu anderen Herstellern. Hier sprechen wir sogar von der »vollständigen Interoperabilität«. Dabei müssen aber nicht alle Geräte alle Daten miteinander austauschen, sondern nur die, die für ihre jeweilige Funktion sinnvoll und erforderlich sind.

»de«: Herr Luyke, vielen Dank für das Gespräch.

Autor

Dipl.-Ing. Andreas Stöcklhuber, Redaktion »de«

Quelle und Bildquelle: www.elektro.net