Barrierefreie Elektrotechnik

In den kommenden 15 Jahren werden über 10 Millionen Menschen in den Ruhestand gehen. Auch möchten ältere Menschen so lange wie möglich in ihrem eigenen Heim wohnen. Mit den Jahren verändern sich neben den Lebensbedingungen auch die Ansprüche. Das gilt nicht nur für ein attraktives Wohnumfeld in jungen Jahren, sondern auch dann, wenn Menschen älter werden. Häufig wollen sie weiter in ihren eigenen vier Wänden wohnen, wie sie es gewohnt sind. Selbst dann, wenn dies aus verschiedensten Gründen nicht immer einfach ist.

Info: Laut einer Umfrage des Marktforschungsinstituts Statista zur Wohnsituation nach Altersgruppen (2020) leben in Deutschland aktuell ca. 50% aller über 60-jährigen in Häusern.

Auf das Detail kommt es an: Bei dem Erwerb einer Immobilie garantiert nur der Begriff „barrierefrei“ die Barrierefreiheit nach gültigen Normen und Richtlinien. Begriffe wie „seniorengerecht“ oder „altersgerecht“ haben keine Verbindlichkeit und lassen nicht auf bestimmte Ausstattungsmerkmale schließen. Außerdem lohnt es sich genau hinzuschauen: Viele Hersteller barrierefreier Produkte lassen diese von der GGT – der Deutschen Gesellschaft für Gerontotechnik – im Rahmen von Praxistests zertifizieren. Bei gutem Ergebnis erhalten diese Produkte das in Folge gezeigte grüne Icon.

Welche Bedeutung hat die DIN 18040-2, barrierefreies Bauen?

Die DIN 18040-2 gilt für die barrierefreie Planung, Ausführung und Ausstattung von Wohnungen, Gebäuden mit Wohnungen und deren Außenanlagen, die der Erschließung und wohnbezogenen Nutzung dienen. Die Anforderungen an die Infrastruktur der Gebäude mit Wohnungen berücksichtigen grundsätzlich auch die uneingeschränkte Nutzung mit dem Rollstuhl. 

Info: Bei Wohnungen wird unterschieden zwischen „barrierefrei nutzbaren“ Wohnungen und „barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbaren“ Wohnungen.

Zwei-Sinne-Prinzip

Sind für die Nutzung eines Gebäudes Informationen vorgesehen, die warnen, der Orientierung dienen oder leiten sollen, so müssen diese auch für Menschen mit sensorischen Einschränkungen geeignet sein. Es gilt das Zwei-Sinne-Prinzip, d. h., Informationen müssen für mindestens zwei alternative Sinne(Sehen, Hören, Tasten) bereitgestellt werden.

  • Das Achsmaß für Greif-/ Bedienhöhen beträgt grundsätzlich 85 cm. Sind mehrere Bedienelemente (z. B. mehrere Lichtschalter) übereinander angeordnet, darf das Achsmaß des obersten Bedienelementes 105 cm nicht überschreiten.
  • Bei Gegensprechanlagen ist die Hörbereitschaft der Gegenseite optisch anzuzeigen.
  • Für öffentliche Toiletten muss in der Nähe des WC-Beckens eine Notrufanlage vorgesehen werden. Sie muss visuell kontrastierend gestaltet, taktil erfassbar und auffindbar sein. Ein Notruf muss vom WC-Becken aus sitzend und
    vom Boden aus liegend ausgelöst werden können.

Wie lässt sich Barrierefreiheit in der Elektrotechnik umsetzen?

Einfach den Sticker ziehen: Bei vielen Menschen reicht die Kraft nicht aus, um den Stecker zu ziehen. Winkelstecker, die oft ausgewechselt werden oder sehr fest sitzen, lassen sich aus speziellen Steckdosen, z.B. durch einen leichten Druck auf den Drehhebel einfach und ohne großen Kraftaufwand herauslösen. Das ist praktisch bei der Hausarbeit, beispielsweise in der Küche mit feuchten Händen, und eine gute Lösung im Bereich des seniorengerechten Wohnens.

Barrierefrei Wohnen im Smart Home - Was musst du als Elektroinstalleur wissen?

Deine Kunden möchten und sollen so lange wie möglich selbstbestimmt, selbstständig und altersgerecht in den eigenen vier Wänden leben können. Speziell Senior:innen, aber auch Menschen jeden Alters mit Einschränkungen in der Mobilität, im Seh- oder Hörvermögen sowie mit kognitiven Beeinträchtigungen kann das Smart Home zu Erleichterungen sowie zu einer höheren Lebensqualität verhelfen.

Ein Smart Home weist verschiedene Teilaspekte auf, die für das sog. Active Assisted Living und somit für ältere Menschen und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen interessant sind. Es befasst sich mit Methoden, Konzepten, elektronischen Systemen, Produkten und Dienstleistungen, die den Alltag von Menschen mit Behinderung und Senior:innen unterstützen. Dazu gehören Beleuchtung, Jalousien oder Rollläden, Heizung oder Alarmanlagen.

Auch besteht hier die Möglichkeit, alles zentral zu steuern, z. B. über ein Smartphone oder einen Tablet-PC. Die Sprachsteuerung bietet einen großen Komfort und kann für beeinträchtigte Menschen eine große Hilfe sein, bei Kindern sorgt sie zugleich für eine Menge Spaß. Denke einmal an Menschen, die auf einen Rollstuhl angewiesen sind oder das Bett nicht allein verlassen können. Hier kann das Smarter Home vieles erleichtern, beispielsweise die Bedienung der Rollläden, wenn die Sonne ins Gesicht scheint.

Stolperfallen vermeiden
Nicht nur bei älteren oder behinderten Menschen besteht die Gefahr des Stolperns, z.B. über ein Kabel. Verschiedene Steckdosenvarianten sind mit nachgebende Seitenwände erhältlich, sodass der Stecker sich im Fall der Fälle erheblich leichter aus der Dose löst. Damit werden die Bewohner vor Unfällen geschützt, Geräte bleiben öfter unversehrt und Steckdosen werden seltener herausgerissen.

Erfassbarkeit garantieren
Menschen mit Einschränkungen in der Sehfähigkeit können Texte auf Lichtschaltern nicht immer ohne Weiteres wahrnehmen. Viele Hersteller bieten hierfür Symbolaufkleber an. Diese: 

  • sind groß und deutlich zu erkennen.
  • sind erhaben und können ebenfalls ertastet werden.
  • können nachträglich aufgebracht werden.
  • sind für jedes Schalterprogramm nutzbar.

Anwendungsbeispiel:

In der Anwendung
Links veranschaulichen wir einen Fall, bei welchem smarte Funktionen für hilfsbedürftige Menschen komfortablere Alltagssituationen schaffen.

Gesundheitlich beeinträchtigte Bewohner haben die Möglichkeit, in einer Notsituation einen speziellen Taster zu betätigen. Dieser ist sowohl über dem Bett als auch am Schreibtisch und an anderen zentralen Stellen montiert. Wenn er betätigt wird, kann sofort um Hilfe gerufen werden. Alternativ kann der Notruf auch über den tragbaren Notrufknopf ausgelöst werden.

Auf Wunsch kann nach einer entsprechenden Aktivierung der Freisprechfunktion eine Kontaktperson (Angehöriger, Pflegepersonal, Servicezentrale) mit dem Bewohner sprechen und in den Raum hineinhören.

Hinweis: Die Einstellung der Überwachung und Logiken erfolgt im Smart Hub.

Was sollte ich bei der Kundenberatung beachten?

Es ist wichtig für das Thema „Barrierefreiheit“ die richtigen Zielgruppen und deren Bedürfnisse zu erkennen. Die Lösungen sind immer ähnlich, doch die Kommunikation und vor allem die Nutzenargumentation sind je nach Alter Ihrer Kunden grundverschieden.

Wie kann ich KFW-Förderprodukte nutzen?

Das KfW-Förderprodukt „Barrierereduzierung“ ist ideal als Marketinginstrument für Ihre Kunden geeignet. Denn es gibt keine Altersgrenzen und außerdem ist die Antragstellung ganz einfach. Die Kombination mit anderen Programmen, z. B. „Energieeffizient Sanieren“ der KfW oder der „Bundesförderung für effiziente Gebäude“ (BEG), ist möglich. Ein weiteres gutes Argument, aktiv zu werden, da sich die Vorsorge fürs Alter als Zuschuss nämlich sofort auszahlt.

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