Neuausgabe der DIN 18015-2:2021-10

Bild 1: Diese Norm behandelt die Art und den Umfang der Mindestausstattung elektrischer Anlagen in Wohn­gebäuden; Quelle: Redaktion »de«

Diese Norm behandelt die Art und den Umfang der Mindestausstattung elektrischer Anlagen in Wohn­gebäuden (Bild 1). Elektrische Anlagen außerhalb der Gebäude und für die teilgewerbliche Nutzung fallen ebenfalls in den Anwendungsbereich dieser Norm.

Die in dieser Norm festgelegte Anzahl der Stromkreise, Steckdosen, Anschlüsse für Beleuchtung, Lüfter und Verbrauchsmittel stellt die erforderliche Mindestausstattung dar. Bei weiteren elektrischen Verbrauchsmitteln, wie beispielsweise Ladeeinrichtungen für Elektrostraßenfahrzeuge, Energieerzeugungsanlagen, Energiespeichersysteme und Saunen sind weitere Planungen erforderlich.

Was ist neu?

Gegenüber der Vorgängernorm DIN 18015-2:2010-11 wurden wesentliche Änderungen vorgenommen:

  • Anpassen der Beleuchtungsanschlüsse in Fluren und in Außenbereichen
  • Unterscheidung zwischen Ausstattungen von Wohnungen und allgemeinen Räumen
  • Überarbeitung der Tabelle 2, (Einführung von Nutzungsbereichen, deren Kombinationen zur Reduzierung der zu planenden Steckdosen und Schaltstellen führt)
  • Vereinfachung der Zählweise von Steckdosen
  • Anpassungen für IuK/RuK (Die Begriffe IuK bzw. RuK stehen für Informations- und Kommunikationstechnik bzw. für Rundfunk- und Kommunikationstechnik)
  • Konkretisierung für Hauskommunikationsanlagen
  • Aktualisierung Anhang A »Energieeffizienz«
  • Überarbeitung Anhang B: »Beispiele für Komponenten der Gebäudesystemtechnik und der Kommunikationstechnik«.

Starkstromanlagen und Gebäudesystemtechnik

Tabelle 1: Mindestanzahl der Stromkreise für Steckdosen und
Beleuchtung

Der Anschluss von Beleuchtungseinrichtungen für Arbeitsflächen in Küchen und Hausarbeitsräumen ist so vorzusehen, dass eine möglichst schatten- und blendfreie Beleuchtung erreicht wird. Für Keller- und Dachbodengänge ist je 6 m Ganglänge mindestens ein Beleuchtungsanschluss vorzusehen.

In Treppenräumen, Treppenvorräumen, Fluren, Laubengängen, Aufzugsvorräumen sowie Kellern und Dachbodengängen kann das Schalten der Beleuchtung entweder von Hand, über Bewegungsmelder oder vergleichbare automatische Schalteinrichtungen erfolgen. Sofern die Beleuchtung per Hand eingeschaltet wird, ist ein Schalter mit integrierter Meldeleuchte einzubauen. Bei automatischen Schalteinrichtungen muss vor dem Abschalten der Beleuchtung ein Warnsignal erfolgen.

Außenbereiche, wie z. B. Zugangswege zu Gebäuden, Garagen und Müllsammelstellen sowie Gebäudeeingangstüren einschließlich der Klingeltaster, sind ebenfalls ausreichend zu beleuchten. Kann bei Dunkelheit die Beleuchtung nicht ausreichend sichergestellt werden, sind Einrichtungen wie Dämmerungsschalter, Bewegungsmelder oder vergleichbare automatische Schalteinrichtungen vorzusehen.
In Räumen mit Schlafgelegenheiten ist für jeden Bettplatz eine zusätzliche Schaltstelle mit mindestens einem Beleuchtungsanschluss vorzusehen. Für jeden zweiten Bettplatz ist eine zusätzliche Schaltstelle für mindestens einen Beleuchtungsanschluss nach der in der Norm enthaltenen Tabelle und zwei Steckdosen vorzusehen.

Allgemeine Räume sind entsprechend der vorgesehenen Nutzung mit Beleuchtungsanschlüssen, Schaltstellen und gegebenenfalls mit Steckdosen auszustatten.

Wie die Tabelle 1 zeigt, wird beispielsweise für eine Wohnungsgröße von 50 m² bis 75 m² die Anzahl von vier Stromkreisen festgelegt. Verbrauchsmittel, wie der Elektroherd, Geschirrspüler oder Waschmaschine, müssen wie in Tabelle 2 beschrieben separat abgesichert werden.

Mengenmäßige Vorgaben

Tabelle 2: Anzahl der Steckdosen und Anschlüsse in einer Küche bzw. in einem Küchenbereich

Die Mindestanzahl der Stromkreise für Steckdosen zur allgemeinen Verwendung und für Beleuchtung richtet sich nach der Wohnfläche der Wohnung. Für weitere Verbrauchsmittel mit hoher Anschlussleistung, z. B. Elektrogrill oder Bügelstation, können zusätzliche Anschlüsse mit eigenem Stromkreis erforderlich sein.

Die Anzahl der einzuplanenden Steck­dosen- und Beleuchtungsstromkreise sind in der Tabelle 2 dieser Norm näher beschrieben. Neu hinzugefügt wurde hier die Einführung von Nutzungsbereichen. Bei einer heutzutage modernen Kombination aus Wohn- und Küchenzimmer lässt sich bei Bedarf die Steckdosenanzahl sowie IuK- und RuK-Anschlüsse um eins verringern. Diese Information findet man in der Tabelle unter dem Punkt »a« und »b«.

Erweiterte Vorgaben

Im Abschnitt 4.3 wird der Schutz durch unbefugte Benutzung oder Manipulation in allgemeinen Räumen und im Freien näher beschrieben. Die Vorgängerversion vom Oktober 2010 beschrieb in der Anmerkung eine dem Schutzziel gerechte Maßnahme näher. Dies kann durch eine allpolige Abschaltung erreicht werden.

In dieser Neuausgabe sind weitere Maßnahmen beschrieben, die diesen Schutz ­sicherstellen. Zum einen kann dies durch die allpolige Abschaltung ebenfalls realisiert werden. Diese Anmerkung wird nun aber ­etwas konkreter erläutert. Die allpolige Abschaltung kann durch einen zweipoligen bzw. vierpoligen Schalter erfolgen, der durch einen einzelnen Stromkreis mit einem FI/LS- Schalter abgesichert ist. Der Einbau einer abschließbaren Steckdose würde die Anforderungen ebenfalls erfüllen.

Des Weiteren beschreibt und empfiehlt diese Norm den Schutz vor Fremdzugriff von nach außen geführten Kommunikationsleitungen. Eine Türkommunikationsanlage, Überwachungstechnik oder Netzwerktechnik muss gegen Fremdzugriff geschützt sein.

Allgemeine Anforderungen an die Größe von Stromkreisverteilern sowie die Planung von Stromkreisen und Einrichtungen für Leitungsschutz, Personenschutz und Überspannungsschutz enthält die DIN 18015-1:2020-05.

In Einraumwohnungen sind mindestens dreireihige Stromkreisverteiler und bei Mehrraumwohnungen mindestens vier­reihige Stromkreisverteiler mit insgesamt 12 Teilungseinheiten pro Reihe zu installieren. Weitere Komponenten, wie beispielsweise Überspannungsschutz, Gebäudesystemtechnik, Ladeeinrichtungen für Elektrofahrzeuge, sind zu berücksichtigen.

Berücksichtigung von Kommunikationsanlagen

Bild 1: Übliche Aufbauweise eines Zählerschranks in Kombination mit Stromkreis- und Kommunikationsverteiler; Quelle: Hager

Zusätzlich zum Stromkreisverteiler ist in Wohnungen auch ein Kommunikationsverteiler vorzusehen. Diverse Hersteller bieten bereits eine Kombination aus Stromkreisverteiler und Kommunikationsverteiler an. Die Unterbringung des Kommunikationsverteilers erfolgt bei Einfamilienhäusern vorzugsweise im Zählerschrank neben dem Verteilerfeld (Bild 2).

Der Kommunikationsverteiler dient der Aufnahme von aktiven und passiven IuK‐ bzw. RuK‐Komponenten. Hierzu zählen beispielsweise TAE, Router, Modems, Switche, Verstärker, Spannungsversorgungen oder auch der optische Netzabschluss ONT.

Der Kommunikationsverteiler bildet den zentralen Punkt (Sternpunkt der Verkabelung) für das komplette Wohnungsnetz. Die Größe des Kommunikationsverteilers hängt von der Ausstattung und Installation der informationstechnischen Geräte ab. Diese ergibt sich aus dem Platzbedarf der genannten Komponenten sowie aus der Zahl der abgehenden Elektro­installationsrohre. Die einzelnen Endgeräte sind sternförmig vom Verteiler im Rohr zu verlegen. Zwischen Stromkreisverteilern und Kommunikationsverteilern ist ein Elektro­installationsrohr oder ‐kanal vorzusehen. Der Gedanke bei dieser Komponente ist es, beispielsweise eine Verbindung zur Spannungsversorgung im Kommunikationsverteiler herstellen zu können oder Komponenten der Gebäudesystemtechnik anzubinden.

In Abhängigkeit von der Technologie des vorhandenen oder zu erwartenden Netz­anschlusses ist eine geeignete Kommunika­tionsleitung einzuziehen. Im Kommunika­tionsverteiler soll die erste TAE bzw. Gf-TA bzw. der Wohnungsübergabepunkt (WÜP) installiert sein.

Wenn bezüglich der Übertragungstechnik keine Informationen zur Verfügung stehen, sind Kommunikationsleitungen nach Cat.5-Standard oder höherwertig im Rohrnetz zu verlegen.

Aspekte der Energieeffizienz (Anhang A)

Wie bereits im obigen Abschnitt »Was ist neu?« erwähnt, wurde der Normenanhang A »Energieeffizienz« aktualisiert. Um mögliche Stand-by-Verluste auszuschließen sollte mindestens eine Steckdose im Raum schaltbar ausgeführt sein. Auch bestehende Steckdosen mit Dauerstromversorgung sollten umrüstbar gestaltet werden. Um dies im späteren Bestand zu ermöglichen, ist bei der Leitungsverlegung auf entsprechende Reserve­adern oder Installationsrohre zu achten.

Auch im Aspekt »Beleuchtung« ist bei Räumen, die nur gelegentlich genutzt werden, eine automatische Abschaltung der Stromversorgung wünschenswert. Durch eine elektrische Steuerungskomponente, angepasst an die gegebenen Witterungsverhältnisse, wäre dies beispielsweise möglich.

Eine Einzelraumtemperaturregelung ermöglicht die Temperatur individuell an den Raum anzupassen. Dies senkt die Heizkosten, da nur die tatsächlich benötigte Heizenergie zugeführt wird, abhängig von der Raumbelegung und Tageszeit. Je nach Ausführung der Installation können für die Ventilstellantriebe sowie für die Fensterkontakte mehrere Leitungen erforderlich sein.

Um den heutigen Energieanforderungen gerecht zu werden, ist eine luftdichte und wärmebrückenfreie Elektroinstallation unbedingt erforderlich und unausweichlich. An der Gebäudehülle und gedämmten Fassaden dürfen keine Wärmebrücken entstehen. Nähere Informationen zur fachgerechten Installation enthält die DIN 18015-5.

Autor

Patrick Gnanendiran, Elektrotechnikermeister für Energie- und ­Gebäudetechnik, bfe-TIB Technologie, Oldenburg

 

Quelle und Bildquelle: www.elektro.net