Schutzbereiche bei Duschen ohne Wannen

Praxisfrage

Bild: Foto zur Anfrage

Warum werden nach DIN VDE 0100-701 die Schutzbereiche von Duschen mit Wanne und Duschen ohne Wanne unterschiedlich bewertet? Bei einer Dusche mit Wanne kann man im Bereich 2 – der direkt an der Duschwanne endet – auch ohne feste Abtrennung im Handbereich eine 230-V-Leuchte montieren.

Bei einer Dusche ohne Wanne mit festem Brausekopf, bei der nur eine Leiste als Auslaufschutz auf den Boden aufgeklebt ist, wird der Bereich 1 erweitert. Somit darf  eine 230-V-Leuchte nicht direkt neben der Leiste als Auslaufschutz inkl. fest montierter Duschtrennwand montiert werden. In diesem Fall muss man das Fadenmaß von 120 cm berücksichtigen. Warum soll bei dieser Konstellation eine größere Gefahr für den Nutzer bestehen?

Das Bild wurde fotografiert in einer Dusche ohne Duschwanne mit einer aufgeklebten Leiste als Auslaufschutz und fest montierter Trennwand. Die Leuchte kann aus der Dusche heraus berührt werden. Das Fadenmaß von 120 cm wird nicht eingehalten. Wäre hier eine feste Duschwanne bzw. Duschtasse eingebaut worden, wäre diese Leuchte wohl zulässig.

Expertenantwort

Die erwähnten Festlegungen in den Normen stellen häufig ein Kompromiss dar, wobei jedoch nicht die Schutzziele außer Acht gelassen werden.

Bereiche bei Wannen

Sofern eine Duschwanne oder Badewanne vorhanden ist, ergibt sich eine klar definierbare Abgrenzung bezüglich der Bereiche 1 und 2. Bei Wannen ergibt sich der Bereich 1 eben durch die Abmessungen der Wanne, d. h. an den Wannenaußenkanten (einer Duschwanne oder Badewanne) endet der Bereich 1 in der Waagerechten. Man geht davon aus, dass beim Duschen nicht über den Wannenrand hinausgespritzt wird, auch wenn keine Begrenzung vorhanden ist.

Bereich bei Duschen ohne Wanne

Hierbei ergibt sich keine klare Abgrenzung, sofern nicht eine fest angebrachte Abtrennung gegeben ist. Daher wurde für den Bereich 1 der feste Wasserauslass in der Wand oder Decke gewählt um den Bereich 1, mit einem Abstand von 120 cm von diesem fest angebrachten Wasserauslass festgelegt – ein Bereich, der ohne Abtrennung üblicherweise als maximaler »Spritzbereich« betrachtet werden kann. Wegen dieser Vergrößerung des Bereichs 1 hat man auf die Festlegung eines Bereichs 2 verzichtet.

Da bodengleiche Duschen (sprich: Duschen ohne Wanne) in den allermeisten Fällen mit einer festen Abtrennung ausgerüstet werden (z. B. mit einer Glastrennwand), wird es in vielen Fällen möglich sein, dass sich auch hierbei ein kürzerer Abstand zu einem Betriebsmittel hinter der festen Abtrennung ergibt. Der Abstand vom festen Wasserauslass zum Betriebsmittel Leuchte kann also auch weniger als 120 cm betragen. Natürlich lässt sich auch bei einer Wanne eine Begrenzung mittels einer festen Abtrennung erreichen. Hierbei kann in den meisten Fällen allerdings nur der Bereich 2 begrenzt werden.
Ob auch bei einer festen Abtrennung – mit oder ohne Wanne – ggf. ein Umgreifen bzw. Übergreifen berücksichtigt werden muss, hängt von den Abmessungen der Abtrennung ab. Hierbei ist zu beachten, dass eine Tür in einer festen Abtrennung die begrenzende Wirkung nicht aufhebt. Demzufolge muss auch kein Umgreifen bei geöffneter Tür berücksichtigt werden.

Damit dürfte auch der Hinweis, bezüglich einer fest errichteten Leuchte mit 230 V Nennspannung ein wenig entkräftet sein. Bei einer festen Abtrennung ist ja nur das Fadenmaß von 120 cm relevant, wenn die Abtrennung kürzer ist, d. h. wenn ein Umgreifen berücksichtigt werden muss. Entsprechendes gilt natürlich auch für das Höhenmaß, wo ggf. ein Übergreifen berücksichtigt werden muss.

Analyse der vorliegenden Konstellation

Aus dem beigefügten Bild ist ersichtlich, dass die vorhandene Trennwand, auf die Leuchte bezogen, keine begrenzende Wirkung hat. Zunächst dürfte beim Umgreifen das Fadenmaß von 120 cm vom Wasserauslass über die Trennwand erfüllt sein. Im konkreten Fall ist das jedoch nicht relevant, da der Wasserauslass höher als die Leuchte positioniert ist. Die Trennwand ist jedoch kürzer als das Höhenmaß des Wasserauslasses, sodass in diesem Fall der direkte Abstand (Radius) von 120 cm vom festen Wasserauslass zur Leuchte zu betrachten ist. Ob hier die 120 cm eingehalten sind, lässt sich auf dem Bild nicht exakt erkennen. Ganz sicher wird man ein Betriebsmittel, das außerhalb direkt neben einer Trennwand errichtet wird, in den meisten Fällen berühren können, wenn man direkt an der Trennwand steht – es sei denn die Trennwand ist so hoch, dass ein Übergreifen nicht mehr möglich ist.

Da es bei einer Dusche ohne Wanne keinen Bereich 2 gibt, gilt hier »der Bereich außerhalb von Bereich 1« oder außerhalb der Trennwand als »außerhalb der Bereiche«, wo es keine spezifischen Anforderungen mehr gibt. Bei einer Trennwand muss ggf. das Über- und Umgreifen berücksichtigt werden.

Ein Berühren der Leuchte wäre auch bei einer Duschwanne ohne und ggf. auch mit einer Abtrennung und bei Einhaltung der Bereichsabmessungen möglich. Hierbei ergibt sich somit keine Änderung. Eine Gefährdung ist dabei nicht zu erwarten. In diesem Zusammenhang könnte natürlich die Frage auftreten, warum man nicht gleich die Leuchte im Bereich 1 erlaubt. Das ließe sich damit begründen, dass möglichst wenige Betriebsmittel im Bereich 1 errichtet werden sollen.

Schlussbemerkungen

Aus meiner Sicht kann ein evtl. etwas kleinerer Abstand einer Leuchte zu einer Dusche bei einer Duschwanne nicht den Vorteil einer bodengleichen Dusche mit fest errichteter Trennwand, mit den entsprechenden Abmessungen, aufheben. Vielleicht wird sich dieses Problem aber künftig auch nicht mehr ergeben, wenn der Entwurf DIN VDE 0100-701:2018-09 – so wie vorgesehen – veröffentlicht wird. Hiernach werden Leuchten – auch mit Nennspannung von 230 V – unter Einhaltung gewisser Vorgaben im Bereich 1 zulässig sein. Wenn gegenwärtig eine Leuchte im Bereich 1 (mit oder ohne Wanne) errichtet werden soll bzw. muss, dann kann man ja auch eine Leuchte wählen, die aus einem SELV- oder PELV-Stromkreis versorgt wird.

Autor

Werner Hörmann, gelernter Starkstrommonteur und dann viele Jahre als Projektant für Schaltan­lagen und Steuerungen bei Siemens tätig. Verfasser zahlreicher Beiträge in der Fachzeitschrift »de« sowie Autor diverser Fachbücher.

Quelle und Bildquelle: www.elektro.net