Brandschutzlösungen für PV-Anwendungen

OBO Bettermann verdeutlicht in diesem Beitrag noch einmal die Vielseitigkeit des Themas Brandschutz.
Folgende Unterthemen erwarten Sie:

  1. Verhinderung der Brandweiterleitung über Brandwände
  2. Brandsichere Installation innerhalb von Gebäuden mit Flucht und Rettungswegen
  3. Schutz durch organisierte Maßnahmen

1. Verhinderung der Brandweiterleitung über Brandwände

Brennbare Leitungen dürfen gemäß den Landesbauordnungen ohne brandschutztechnische Maßnahmen nicht über Brandwände geführt werden. Im Brandfall würden sie ansonsten das Feuer auf die angrenzende Dachfläche ausbreiten. Lässt sich das im Einzelfall nicht verhindern, müssen die Leitungen geschützt verlegt werden. Diese Möglichkeit wird in der Empfehlung Nr. 159 des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat (BMI) und des Arbeitskreises Maschinen- und Elektrotechnik staatlicher und kommunaler Verwaltungen (AMEV) „EltAnlagen 2020“ genannt [1]. Es stehen zwei Lösungen zur Verfügung:

Verlegung der PV-Leitungen in äußerst robusten Edelstahlkanälen, wie dem PYROLINE® PLMR
Umhüllen der Leitungsbündel, beispielsweise mit der flexiblen und witterungsbeständigen Kabelbandage PYROWRAP® Wet FSB-WB als PV-Set

Die in beiden Lösungen enthaltenen dämmschichtbildenden Baustoffe schäumen im Brandfall auf und verhindern die Brandübertragung über die Leitungen. Die Rauchübertragung ist hier irrelevant, da die Masse des Brandrauchs ungehindert in die Umgebungsluft abgegeben wird.

Die Wirksamkeit der Systeme wird in jeweils eigenen Gutachten beschrieben. Formell ist die Kanalvariante näher an der Bauordnung, da es sich um formstabiles, nicht brennbares Material handelt. Die Bandage wird als schwer entflammbar eingestuft, ist aber trotzdem brennbar – was zu Diskussionen bei der Abnahme führen könnte. Der Vorteil der Bandagen liegt darin, dass bereits installierte Kabelbündel sehr einfach umhüllt werden können. Brandschutztechnisch funktionieren beide Lösungen hervorragend.

2. Brandsichere Installation innerhalb von Gebäuden mit Flucht- und Rettungswegen

In manchen Fällen müssen die Gleichstrom führenden Leitungen der PV-Anlage erst durch das Gebäude bis zum Wechselrichter verlegt werden. Befinden sich die Installationen in Flucht- und Rettungswegen, müssen die PV-DC-Leitungen gekapselt verlegt werden. Die baurechtlichen Anforderungen können den Landesbauordnungen entnommen werden.

Der Brandschutzkanal PYROLINE® Sun PV ist der ideale Brandschutzkanal für die brandsichere Verlegung von Photovoltaik-Gleichspannungsleitungen. Seine nichtleitende Oberfläche sorgt auch im Brandfall für Schutz vor gefährlichen Berührungsspannungen (Abbildung 1).

Darüber hinaus erfüllt der Kanal die Forderungen als I-Kanal gemäß DIN 4102 Teil 11 für die Kabelinstallation in Flucht- und Rettungswegen. Zudem entspricht er den Forderungen der VDE-Anwendungsregel AR 2100-712. Die Installation des Brandschutzkanals kann direkt an Wand oder Decke erfolgen. 

Mit passenden Verbindungsbeschlägen ist auch eine abgehängte Montage möglich. Der Kanal besteht aus wasser- und frostbeständigen Glasfaserleichtbeton-Brandschutzplatten (nicht brennbar, Baustoffklasse A1) und kann somit auch im Außenbereich verlegt werden. Besonders geeignet ist der Brandschutzkanal für das nachträgliche Verkleiden bereits installierter DC-Leitungen, da er den Leitungswegen flexibel angepasst werden kann. Die Kennzeichnung weist auf die Einhaltung der Anwendungsregel hin (Abbildung 2).

3. Schutz durch organisatorische Maßnahmen

Am Übergabepunkt der elektrischen Anlage, z.B. im Hausanschlusskasten oder der Hauptverteilung, ist nach DIN VDE  0100-712 das genormte Hinweisschild, auch bekannt als Feuerwehrschild, anzubringen
(Abbildung links)

Durch die Kennzeichnung können die Einsatzkräfte der Feuerwehr die PV-Anlage erkennen. Die Löschmaßnahmen werden dementsprechend unter Einhaltung der Sicherheitsabstände gemäß DIN VDE 0132 – Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung im Bereich elektrischer Anlagen – durchgeführt (Abbildung rechts).

Spannungsführende, nicht abschaltbare DC-Leitungen der PV-Anlage sind im Gebäude sicher gegen Beschädigung der Isolierung zu verlegen. Auch im Brandfall müssen die Einsatzkräfte der Feuerwehr die Personenrettung sicher durchführen können.  Nach der VDE-AR-2100-712 ist der Schutz der DC-Leitungen durch eine geeignete Abtrennung bzw. einen Brandschutzkanal nach EN 1366-5 oder DIN 4102-11 möglich.  Der Brandschutzkanal PYROLINE® Sun PV ist zugelassen für die Installation im Flucht- und Rettungsweg und aufgrund seiner Witterungsbeständigkeit auch für den Außenbereich geeignet. Auch im Brandfall stellt er den sicheren Berührungsschutz her. 

Quelle:

Autor: Herr Stefan Ring, Leiter Produktmanagement/F+E Brandschutz-Systeme

Text- und Bildquelle: OBO BETTERMANN