Netzverteiler in der Netzebene 3

Bild 1: Ein Netzverteiler mit 96 Mikrorohren für Glasfaser-Hausanschlüsse

Glasfaser-Netzverteiler (Gf-NVt), die von manchen nur als langweilige graue Kästen am Straßenrand empfunden werden, sind passive optische Verteilpunkte des Breitband-Zugangsnetzes. Sie befinden sich zwischen der Betriebsstelle (PoP) des Netzbetreibers und dem Hausübergabepunkt (HÜP oder Gf-AP) im Gebäude des Teilnehmers. Das Innenleben dieser »Kästen« ist jedoch alles andere als »grau« wie der Beitrag zeigt.

Glasfaser-Netzverteilerschränke (Gf-NVt) sind passive oberirdische Verteilpunkte im Außenbereich, die typischerweise die Schutzklasse IP 54 erfüllen. Gebräuchlich sind auch die Begriffe Kabelverzweiger (KVz) oder Glasfaser-Verteilerschrank (GVS). Abhängig vom Ausbaugebiet kommen Gf-NVts unterschiedlicher Größen (24, 48, 96 oder 144 Hausanschlüsse) zum Einsatz.

In Bild 1 ist ein Gf-NVt für ein Neubaugebiet dargestellt, in dem auf der rechten Seite 96 Mikrorohre für Hausanschlüsse eingeführt und abgelegt sind. Auf der linken Seite ist ein Standard-LWL-Kabel als Hauptkabel eingeführt.

Erdsockel und Kabelsockel

Bild 2: Die Mikroröhrchen eines 24er Mikro­rohrverbandes (MRV) werden einzeln durch die Bodenplatte in den Netzverteiler eingeführt

Die Aufstellung des NVt-Gehäuses erfolgt auf einem Kabelsockel, der auch zum Einführen von Gf-Standard-Kabeln, Mikrorohren und Mikrorohrverbänden dient. Der Kabelsockel ist meist über eine verschließbare Öffnung von außen zugänglich. Er hat oft eine C-Profilschiene um LWL-Kabel, Mikrorohre und Mikrorohrverbände mit Hilfe von Bügelschellen abfangen zu können. Der NVt wird mit dem Kabelsockel auf einem Erdsockel verankert. Der Erdsockel wird nach dem Einbau der Mikrorohre oft mit Blähton oder Granulat befüllt, um Nagetieren den Zugang in den oberen Sockelbereich zu erschweren.

Bodenplatte, Sortierung, Abdichtung

Die Einführung und Abdichtung der Kabel und Mikrorohre vom Sockel in den Gf-NVt erfolgt über eine Bodenplatte. Diese ist mit Dichtungselementen zum Abdichten der einzeln durchgeführten Mikrorohre versehen, was wiederum Nagetieren das Eindringen in den Gf-NVt erschweren soll. Bild 2 zeigt, wie die Mikrorohre von den Hausanschlüssen aus einem 24er Mikrorohrverband aufgefächert und einzeln durch die Dichtungselemente in der Bodenplatte in den Gf-NVt eingeführt werden.

Die transparenten Mikrorohre aus dem Mikrorohrverband sind mit zwei oder vier Farbstreifen gekennzeichnet. Für das Auflegen der Mikrorohre wird üblicherweise die Zählweise in Anlehnung an den DIN-Farbcode nach DIN-VDE 0888-100-1 Beiblatt 1 verwendet, die auch schon für das Auflegen von Fasern und Adern von LWL-Kabeln zum Einsatz kommt. Die Platzierung der Mikrorohre wird durch eine Belegungsmatrix vorgegeben (Bild 3). Im dargestellten NVt-Beispiel erfolgt sie von hinten rechts beginnend nach vorne und weiter reihenweise von rechts nach links.

Bild 3: Belegungs­matrix für die Einführung von Mikrorohren aus Mikrorohrverbänden in den Gf-NVt für mehrere 24er Mikrorohrverbände (MRV)

Rohrmanagementsystem

In einem Rohr- und Kabelmanagementsystem werden die geordnet abgelegten Mikrorohre und Standard-LWL-Kabel mit einer individuellen Zugentlastung abgefangen. Über den abgelegten Mikrorohren muss ausreichend Platz und Beweglichkeit für den Anschluss der Einblastechnik sowie zur Montage von Einzelzugabdichtungen (EZA) für den gas- und wasserdichten Verschluss auf allen Mikrorohren vorhanden sein. Wichtig dabei: Alle Mikrorohre sind gas- und wasserdicht zu verschließen!

In Bild 4 ist das Mikrorohr mit vier grünen Streifen über eine Doppelsteckmuffe mit dem orangefarbenen Rohr zum Einblasgerät verbunden. Die bereits mit Mikro­kabeln belegten Mikrorohre sind mit teilbaren Einzelzugabdichtungen gas- und wasserdicht verschlossen. Bei den vorgeplanten Mikrorohren erfolgt die Abdichtung durch die Beschriftungsschilder.

Die dargestellten Beschriftungsschilder (Bild 4) realisieren eine Druckdichtigkeit von 0,5 bar (50 kPa). Bei den Reserverohren ohne Beschriftungsschilder erfolgt der Verschluss durch Endkappen. Wichtig: Das Schneiden der Mikrorohre erfolgt durch einen geraden, rechtwinkligen Schnitt mit einer Rohrschneidezange (Bild 5). Seitenschneider und Sägen sind dafür nicht zugelassen!

Kabelmanagement – Loopablage für HK-Bündeladern

Zum Kabelmanagement im Gf-NVt gehören neben dem Platz für die Kabelführung von Mikrokabeln von den Hausanschlüssen (Verzweigerkabel, VzK) auch Ablageplätze für anfallende Überlängen von nicht genutzten Bündeladern oder Bündeladerloops aus den Hauptkabeln (HK). In Bild 6 wurde das Hauptkabel als Kabelloop in den Netzverteiler hineingeführt. Nach dem Öffnen des Kabelmantels wurden nur Fasern aus der roten Bündelader in diesem Verteiler benötigt. Alle anderen Bündeladern wurden ungeschnitten als Bündeladerloop in dem dafür vorgesehenen Ablage­bereich vor der Rückwand abgelegt. Fasern aus diesen Bündeladern werden erst in den nachfolgenden Gf-NVts im Ausbaugebiet genutzt. Wichtig: Erforderliche Kabellängen für die Montage beachten.

Für die LWL-Montage von Verzweigerkabeln ist eine Kabelüberlänge von ca. 5 m in einem Netzverteiler erforderlich. Für einen Hauptkabel-Loop können abhängig von der Größe des Verteilerschrankes 10 m Kabellänge erforderlich sein.

Abfangung der Mikrokabel

Die Bündeladern aus dem Hauptkabel und die Mikro­kabel von den Hausanschlüssen werden auf dem dafür vorgesehenen Kabelweg geschützt zum Kassettensystem geführt. Für die Mikrokabel erfolgt vor der Einführung in das Kassettenmodul eine Zugabfangung über den Kabelmantel mit Hilfe von Zugentlastungsmodulen (Bild 7). Die Fasern aus den Mikrokabeln, die auf der rechten Seite in das Kassettenmodul eingeführt werden, laufen zunächst durch den sog. »Mischer«, damit alle Fasern aus den Verzweigerkabeln auf der gleichen Seite zu den Spleißkassetten geführt werden.

Fasermanagement

Die Verschaltung der Glasfasern und Verbindungen mit optischen Komponenten wie PON-Splitter in einem modular aufgebauten Gf-Managementsystem, das typischerweise als Einzelfaser- und Mehrfasermanagementsystem (E&MMS) bezeichnet wird. Auf die einzelnen Rasterplätze können Einzelfasermanagementkassetten (EMK) und Mehrfasermanagementkassetten (MMK) gesteckt werden, wobei die dickeren MMK zwei Rasterplätze benötigen.

Im Verteiler werden Fasern aus dem Hauptkabel direkt mit Fasern aus den Verzweigerkabeln (VzK) zum Kunden verschaltet (P2P) oder über optische Komponenten (z.B. Koppler/Splitter) zum Kunden durchverbunden (P2MP). Eine Verschaltung von Fasern zwischen mehreren Kassettenreihen ist durch Querrangierungen im Einzelfasermanagement möglich. Die Verbindungen werden mit einem Spleißgerät hergestellt (Bild 8). Diese durch einen Spleißschutz geschützten Verbindungen werden in die entsprechenden Kassetten abgelegt. Wichtig: Bei der Führung und Ablage der Fasern darf der minimale Biegeradius der Fasern von 3cm nicht unterschritten werden, da es sonst zu Dämpfungserhöhungen (Lichtaustritt) kommen kann (Bild 9).

Autor

Werner Stelter, LWL-Seminare am BFE Oldenburg

Quelle und Bildquelle: www.elektro.net

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